VIBES zu Gleichgewicht, Belastung und Zentren

Es ist schon eine Weile her, dass ich das Zentrum Paul Klee in Bern für mich entdeckt habe. Man findet dort Manuskripte und Notizen aus der Zeit Klees am Bauhaus Weimar und Dessau (1921-1931), wo er Seminare über bildnerische Formlehre gehalten hat. Zugegeben, es bedarf vielleicht ein besonderes Interesse an Paul Klee, um sich durch die eingescannten Originalnotizen zu wühlen. Da ist es manchmal ratsam den kleinen Freak in sich zu tätscheln.

Ich habe Dreierlei gefunden, die ich hier auf systemVIBES gern vorstellen möchte. Vielleicht kann es eine Anregung sein über die Erschaffung und den Umgang mit Gleichgewichten, Belastungen und Zentren nachzudenken – neben bereits bekannten Ideen und Konzepten aus dem systemischen „Textfeld“.

Linien und Gleichgewicht

Unterscheidungen zu treffen, bedeutet Grenzen zu ziehen. Paul Klee hat in einer seiner Notizen die Fähigkeit von Linien thematisiert. Wann schafft es eine Grenze ein Gleichgewicht herzustellen und wann ist sie allein nicht in der Lage? Wann ist vielleicht noch eine weitere Grenzziehung, durch eine weitere Unterscheidung notwendig, um Gleichheit zu erreichen?

Belastung einer Formseite

Eine weitere Notiz Klees beschäftigt sich mit der Belastung einer Form. Er zeigt darin auf, wie eine einseitige Belastung die Wahrnehmung auf sich zieht. Dadurch, dass eine Seite durch kräftigere Farbgebung belastet wird, erscheint die zarte Seite fast unscheinbar und man muss sich daran erinnern sie mit zu beachten, damit die ganze Form sichtbar wird.

Zentren

Die dritte Notiz zeigt, wie ich finde, auf simple und eindrucksvolle Weise, dass Zentrum nicht gleich Zentrum ist. Das klingt zunächst paradox, aber Systemiker haben ja ein gutes Verhältnis zu Paradoxien… Um ein Zentrum zu konstruieren, kommt es auf die Ausgangssituation an. Paul Klee zeigt an Beispielen wie durch die gleichmäßige Halbierung der Winkel in einer Form ein anderes Zentrum entsteht als bei der Halbierung der Linien. Beide Male wird die gleiche Regel der Halbierung angewandt, aber auf unterschiedliche Ausgangssituationen.

Ich finde die Notizensammlung Paul Klees ist ein Eldorado an visuellen Zugängen zu Konstruktionen von Wirklichkeit – und nebenbei lernt man auch noch etwas über Formgestaltung in der Kunst.

Alle hier gezeigten Beispiele sind von mir, damit sie besser zu erkennen sind, vereinfacht und sehr nachlässig nachgezeichnet (Paul Klee hätte keine Freude gehabt an meinen ungeraden Linien und die Pi-mal-Daumen-Winkel). Die Originale und Paul Klees Notizen zu den Skizzen finden Sie auf der Seite des Zentrum Paul Klee Bern.

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