VIBES zum Nachwuchs

Es gibt Zeiten, da frage ich mich – mal mehr, mal weniger wundernd: Wo ist eigentlich der systemische Nachwuchs? Und vor allem: Woran erkennt man den?

LuckyLukeLucky Luke wird in diesem Jahr 70. Ein Blick in die Geschichte des Comic-Cowboys, der seinen Colt schneller zieht als sein Schatten, verrät viel über Nachwuchs. Nicht nur sein Erfinder und Zeichner Morris (bürgerlich Maurice de Bévère) war lange Zeit in nachwachsender Position, sondern auch Achdé (Hervé Darmenton), Morris‘ Nachfolger seit 2003, war Nachwuchs – oder ist der ewig Nachwachsende. Morris kam eigentlich aus dem Zeichentrickfilm und konnte den Cowboy-Traum Lucky Luke erst mithilfe seines Mentors Jijé (Joseph Gillain) im Comic-Magazin „Spirou“ verwirklichen. Mit der Unterstützung von Groscinny (genau, das ist der Texter, der auch Asterix & Obelix eine Stimme verlieh) – Jahre später – wurde Lucky Luke auch für Erwachsene weiterentwickelt und Morris erlebte nun mit seinem Cowboy eine Glanzzeit.
Als Morris nach 55 Jahren Lucky Luke verstarb, übernahm Achdé die Aufgabe und schaffte es, dem Cowboy in moderne Zeiten zu verhelfen. Lucky Luke ist dadurch stets jung geblieben. Er sieht dem Lucky von Morris immer noch ähnlich, es gab äußerlich nur kleine Veränderungen, aber thematisch hat Achdé den Cowboy aktuell gehalten, interessant gemacht für weitere Generationen und ihm damit die Möglichkeit gegeben weiter erfolgreich zu sein.
Die Laufbahn Lucky Lukes zeigt vielleicht wie etwas wertvoll erhalten bleiben kann, mithilfe von erfahrenen Gefährten und mit Vertrauen in weiterführende Hände. Hätte sich ein erfahrener Jijé und Groscinny nicht für Nachwuchs interessiert und hätte dieser nicht die Idee von dem Cowboy gehabt: Lucky Luke gäbe es vermutlich heute nicht. Hätte man Achdé die Aufgabe nicht zugetraut und hätte er sie nicht angenommen: Lucky Luke gäbe es vermutlich heute nicht.
Achdé sagte einmal dem Tagesspiegel, es sei ein Balanceakt dem Vorbild treu zu bleiben und dennoch dem Ganzen eine neue, frische Anmutung zu geben, zum Beispiel durch dezent eingesetzte ungewöhnliche Perspektiven.
Wo ist eigentlich der systemische Nachwuchs? Und woran erkennt man den?

(Zeichnung: Hannah Eller; in Anlehnung an und doch irgendwie frei nach Morris)

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