VIBES zu „Verunsicherung ist dem Schöpferischen nicht fremd“

leichtigkeit

Catherine Meurisse; Die Leichtigkeit; Carlsen

 

 

 

 

Das oben genannte Zitat ist von Catherine Meurisse, überlebende Zeichnerin bei Charlie Hebdo. Sie hat vor einiger Zeit eine Graphic Novel über ihr Überleben und ihre Versuche von Neukonstruktion erschaffen.

 

spiegelmann

Art Spiegelman; Calling Dr. Godot

 

 

 

Art Spiegelman begann einen Comicstrip für die New York Times zu zeichnen, in denen er seine Erkrankung an einem Hirntumor thematisiert; in diesen Tagen erstmals in der FAZ auf deutsch veröffentlicht.

 

Beiden Menschen möchte ich hier auf systemvibes einen Platz einräumen, weil ich finde, dass ihr Umgang mit Schrecken und folgender Verunsicherung etwas sehr besonderes ist. Beide integrieren Zweifel und Verzweiflung in ihre Arbeit als Zeichner; kehren es um in etwas Schöpferisches. Wie ich finde, ein tiefer Ausdruck von Lebendigkeit.

Ein Interview mit Catherine Meurisse finden Sie hier.

Informationen zu Art Spiegelmann und dem Comicstrip finden Sie hier.

VIBES zu Gewalt

screenshot-242

Scrennshot der Seite hinter-tueren.de

In Zusammenarbeit mit dem Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen ist ein online frei zugänglicher Comic erschienen; genauer gesagt, das erste Kapitel. Bis Mitte November werden auch die anderen Kapitel auf hinter-tueren.de veröffentlicht werden.
Die Zeichnerin Isabel Kreitz und der Illustrator Stefan Dinter widmen sich in ihrer Arbeit dem Thema häusliche Gewalt gegen Frauen und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz mit dem Anliegen das Thema in den Wahrnehmungskreis der Öffentlichkeit zu rücken, aufmerksam zu machen und zu neuen Diskussionen anzuregen.
Einmal mehr wird zum Medium Comic und Illustration gegriffen, um ein unangenehmes Thema besprechbar und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Mehr Informationen über das Hilfetelefon des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, das Zeichner-Duo und natürlich den Online-Comic finden Sie hier.

VIBES zur Geschichte, erzählt durch Geschichten

comic-culture-clash„Geschichte wird nur durch Geschichten greifbar“ könnte das Motto für das Vorhaben des Comic Culture Clash sein. Zeichner_innen begegnen in diesem Projekt einem Konflikt aus jeweils zwei Perspektiven, zeichnen die Sichtweisen, die aufeinanderprallen von zwei Standpunkten aus. Die Liste der aktuellen und historischen Konflikte, die im Comic Culture Clash bezeichnet (also, be-zeichnet) werden, ist lang: Assad-syrische Opposition, Russland-Ukraine, Geflüchtete-besorgte Bürger, Kurden-Türkei, nationale Identität-europäische Vereinigung …… u.v.m.

Auf der Website heißt es: „Die Teilnehmer werden in Konfliktpaare unterteilt und sollen die Konfrontation nun auf dem Zeichenbrett austragen. Ob sie sich identifizieren, distanzieren, ironisieren oder einfach nur eine Geschichte erzählen, bleibt ihnen überlassen. Wichtig ist, dass sie sich mit dem Denken und Handeln, der Motivation und den Ängsten “ihrer“ Partei auseinandersetzen. Als grafische Klammer der Comic-Paare soll Inhalt und Format des ersten Panels gleich sein. Ausgehend vom gleichen Setting entwickeln sich die Geschichten dann in unterschiedliche Richtungen und Sichtweisen.“

Mehr Infos auf der Website des Comic Culture Clash. Das Buch ist kostenlos, gegen eine Versandgebühr, bestellbar.

VIBES zur Aufmerksamkeit

9783956400711-349x500

Eindringlinge von Adrian Tomine (Reprodukt)


Eindringlinge stellt Menschen vor, zeigt sie in ihrem Alltag und fordert den Leser genau zu betrachten, aufmerksam zu sein. Der Zeichner Adrian Tomine erzählt in sechs Kurzgeschichten mit allen Mitteln, die ein Comic zur Verfügung hat. Das Magazin Strapazin (Nr. 124) schreibt: „Ein kleines Wunder ist, wie bzw. womit Tomine erzählen kann. Denn es gibt wohl nichts, was er nicht als Mittel des Erzählens einsetzt: Bilder, Schriften, Farben, Formen, Worte, Layout, etc. Sie alle tragen ihren Teil zum Sinn der Erzählung bei.“ (S.73). Ein Comic, der anregt aufmerksam zu sein.

Eine Leseprobe finden Sie über den Verlag Reprodukt.

VIBES zum Erzählen von Beziehungen

Erich Ohser zeichnete als e.o. plauen zahlreiche Vater- Sohn- Geschichten in den 30er Jahren und vermittelte mit ihnen (unter anderem) ein ungewöhnliches Vaterbild für jene Zeit. Auf systemVIBES taucht Ohser nicht nur auf, um an den Zeichner, der hinter diesen Comics steckt zu erinnern. Vielleicht wirft Ohsers Geschichte die Frage auf, wie man mit dem Erzählen von Beziehungen auch ganz andere Ebenen berühren kann; wie es Ausdruck von Weltansicht und Menschenbild sein kann.

Ein Ausschnitt aus der 3sat Sendung Kulturzeit von 2014 zu Erich Ohser:

 

VIBES zur Zeichnung als Sprache

Im Rahmen des Fumetto, das internationale Comix-Festival in Luzern, entstand eine Reihe der Arbeitsgruppe „Visual Narrative“ von der Hochschule Luzern mit Interviews von Zeichnern und Illustratoren zur Frage „Ist Zeichnen eine Sprache?“. Auch wenn systemVIBES zurzeit etwas Video- lastig ist, möchte ich hier auf die Reihe aufmerksam machen, weil sie viele unterschiedliche Perspektiven anbietet Zeichnungen und das Zeichnen als Sprache zu verstehen. Joost Swarte aus den Niederlanden z.B. weist darauf hin, dass Sprache zwei Anteile hat: Jener, der sie spricht (bzw. zeichnet) und der sie versteht. Kommt einem irgendwoher bekannt vor… Die Interviewreihe finden Sie auf YouTube oder hier:

VIBES zu Bildern, die Bilder anschauen

Miss Hokusai
Regie: Keiichi Hara
Erscheinungsjahr: 2015, Japan
Länge: 90 Min.

Die Frankfurter Allgemeine schreibt: „Bilder schauen Bilder an. Eine Zeichnerin erzählt die Geschichte der Tochter eines großen Künstlers als Comic; ein Trickfilm setzt sie in Bewegung.“
Eine Beschreibung, die sehr passend ist für die verschachtelten Umstände dieses Films, der diesen Monat in die Kinos gekommen ist. Miss Hokusai nimmt die Kunst der Edo-Zeit (das heutige Tokio) in den Blick, aus der Sicht der Tochter von Katsushika Hokusai.
Vielleicht ein sehenswerter Film für jene, die als Zuschauer eine vergangene Zeit japanischer Kultur mit moderner Trickfilmtechnik näher kommen möchten. Oder Freude haben als Beobachter einer Entwicklung von Beobachtung, wie sie Hokusai und seine Tochter durchlaufen, zuzusehen. Wie begegnet man als (angehender und bekannter) Künstler seiner Umwelt, wie wird Ausdruck in Material gebracht, welche Art zu sehen und wahrzunehmen ist künstlerisch?

Eine Hamburger Ausstellung namens Hokusai X Manga beschäftigt sich ausführlich mit der Entstehung und Entwicklung des heutigen Manga in der Tradition des Holzschnittes. Auch online bekommt man über das Museum bereits eine Menge Informationen: http://hokusaixmanga.mkg-hamburg.de/

Ich habe mal den japanischen Trailer herausgesucht – die Sprache ist so hübsch!

VIBES zur Kommunikation

tumblr_o7sz0fhnOH1qz8z2ro1_500

Beispiel-Cartoon von der Seite garfieldminusgarfield.net

Auf der Seite Garfield minus Garfield finden sich kleine Garfield-Comicstrips – bloß ohne Garfield. Der wurde heraus retuschiert. Die kleinen Sequenzen zeigen vielleicht auf ganz nette Weise wie Kommunikation auf zwei Seiten angewiesen ist und wie sehr Aussagen und Fragen auf Personen (und Persönlichkeit?) zurückgeworfen werden, wenn es keinen Anschluss gibt.

VIBES zur Inspiration

Take an object
Do something to it
Do something else to it.
(Repeat.)

– Jasper Johns, amerikanischer Maler und Druckgrafiker –

strapazinDas Schweizer Comicmagazin Strapazin hat eine Ausgabe namens „Spark“ herausgebracht. Die Ausgabe zeigt auf gewohnt sympathische Weise, wie Künstler zu ihren Inspirationen kommen, wie sie Inspirationen verändern und zu ihrer Arbeit machen. Im Vorwort heißt es: „Wir fragten die Zeichner und -innen, ob sie uns zeigen könnten wovon sie inspiriert werden, anstatt es uns mitzuteilen. (…) Wie funktionieren kreative Prozesse? Wie gehen Künstler vor, um sich Dinge anzueignen? Was entsteht aus dem Überarbeiten von Ideen oder Bildern?“ Es geht um Veränderung, darum, wie ein Mensch – hier speziell der Künstler – Veränderungen erschafft und zu seinem Eigenen macht. Vielleicht auch ein interessantes Heft, um sich als BeraterIn für die eigene (beraterische) Arbeit, in der Veränderung ein Anliegen ist, inspirieren zu lassen?

VIBES zum Humor durch Variation

Screenshot (224)

Screenshot „Das Hochhaus – 120 Etagen Leben“ von Katharina Greve (35.Etage)

Der Webcomic Das Hochhaus – 120 Etagen Leben von Katharina Greve ist lustig. Jeden Dienstag erscheint dort eine neue Etage, in der witzige Kurzkommunikation stattfindet. Ich habe mich gefragt, wie es passiert, dass man diese lustig findet (eine Frage, mit der ich mich gerade im Studium beschäftigen darf und die mich deshalb zurzeit überallhin verfolgt). Als Beobachter zweiter Ordnung beobachtet man dort Kommunikation: Information – Mitteilung – Verstehen. Dabei lässt sich beobachten, dass die darauf folgende Mitteilung hier eine Variation von erwarteter Mitteilung ist, es eröffnet neue Möglichkeiten – und das überrascht, bleibt aber folgenlos und kann daher lustig sein.
Das Betrachten von Lustigem mithilfe der Systemtheorie kann, so meine Erfahrung bisher, den Spaß an mancher Stelle noch erhöhen. Vielleicht, weil es durchaus auch zusätzlich lustig sein kann, lustig zu finden, dass man als Beobachter zweiter Ordnung etwas lustig findet. Naja… ich wünsche auf jeden Fall viel Vergnügen – egal auf welcher Ordnungsebene!

Screenshot (228)

Screenshot „Das Hochhaus – 120 Etagen Leben“ von Katharina Greve (Keller)