VIBES zu „Verunsicherung ist dem Schöpferischen nicht fremd“

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Catherine Meurisse; Die Leichtigkeit; Carlsen

 

 

 

 

Das oben genannte Zitat ist von Catherine Meurisse, überlebende Zeichnerin bei Charlie Hebdo. Sie hat vor einiger Zeit eine Graphic Novel über ihr Überleben und ihre Versuche von Neukonstruktion erschaffen.

 

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Art Spiegelman; Calling Dr. Godot

 

 

 

Art Spiegelman begann einen Comicstrip für die New York Times zu zeichnen, in denen er seine Erkrankung an einem Hirntumor thematisiert; in diesen Tagen erstmals in der FAZ auf deutsch veröffentlicht.

 

Beiden Menschen möchte ich hier auf systemvibes einen Platz einräumen, weil ich finde, dass ihr Umgang mit Schrecken und folgender Verunsicherung etwas sehr besonderes ist. Beide integrieren Zweifel und Verzweiflung in ihre Arbeit als Zeichner; kehren es um in etwas Schöpferisches. Wie ich finde, ein tiefer Ausdruck von Lebendigkeit.

Ein Interview mit Catherine Meurisse finden Sie hier.

Informationen zu Art Spiegelmann und dem Comicstrip finden Sie hier.

VIBES zum Neuen im Bekannten

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Screenshot vom ZEIT MAGAZIN online

„Bei dieser Übung geht es darum spontan einen Gegenstand auszuwählen und ihn so lange anzustarren bis durch einen ungewohnten Winkel oder speziellen Lichteinfall et cetera eine neue Bedeutung entsteht, die ich dann in einer einfachen Zeichnung zu enthüllen versuche. Es ist eine Übung des Sehens, und die größte Herausforderung ist, mich von der eigentlichen Funktion des Gegenstandes frei zu machen.“

Christoph Niemann, Illustrator, in einem Interview über die Angst der Kreativen, zu lesen und anzusehen auf ZEIT MAGAZIN-online.

VIBES zu Form, Kontext und Handlung

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Das Triadische Ballett hat eine mythenvolle Entstehungsgeschichte. Auch bezüglichen seiner Autoren und Orte. Eine entscheidende Mitarbeit trug jedoch Oskar Schlemmer, Bauhaus-Maler, mit dessen Namen Das Triadische Ballett eng verknüpft ist. In den 20er Jahren wurde es an unterschiedlichsten Orten und mit der Musik verschiedener Komponisten aufgeführt.
Schlemmers Idee im Tanz die Einschränkung der Bewegung durch Form zu thematisieren, war zu der Zeit neuartig und ist vielleicht auch heute noch irgendwie konträr zur Vorstellungen eines Ballett.
Auf systemVIBES taucht das Ballett deshalb auf, weil es vielleicht die enge Verbindung von Form und möglicher Bewegungsart sowie den Handlungsraum veranschaulicht. Die Figuren agieren in ihrem Formenkostüm in der Art, in der es ihnen möglich ist: vom reinen Raumtanz bis hin zu ausdifferenzierteren Gestentänzen. Auch Interaktionen mit weiteren Form-Tänzern ist mal mehr, mal weniger eingeschränkt. Interessant ist auch die Wirkung der Figurformen im Kontext der Hintergrundform. Wie wirkt das spiralförmige Kostüm auf einem runden Hintergrund, wie das Quadrat? Oder der Farbe: Wie viel Aufmerksamkeit bekommt das Blau vor dem gelben Hintergrund, wie viel das Orange? Welche Operationen sind möglich, eingeschränkt? Was wird im nächsten Teil verändert? Welche Auswirkung hat das auf Formwahrnehmung und Handlungsmöglichkeit?

Auf YouTube sind einige Videos zum Triadischen Ballett verfügbar.

 

VIBES zur Interpunktion

Bei Wikipedia steht unter „Interpunktion“, dass es sich um „subjektiv empfundene Startpunkte innerhalb eines ununterbrochenen Austausches von Mitteilungen“ handelt. Ununterbrochen ist auch die Linie des Zeichners und Karikaturisten Saul Steinberg im folgenden Video. Diese Linie, die sich immerfort schnurgerade durch das Bild zieht, eröffnet viele neue Perspektiven auf unterschiedlichste Szenen. Nicht nur zeichnerisch ist dieses Video ein Vergnügen, auch spielt es mit den üblichen Sehgewohnheiten und stellt vielleicht auch gerade deshalb die Frage nach Interpunktion beim Begegnen von Bildern und Szenen.

VIBES zur Kommunikation und (fehlender) Wertung

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Screenshot der Website biancoshock-dehoop.com

Die Künstler Biancoshock und de Hoop geben sich gegenseitig Kunst-Aufgaben, die in der Stadt, in der sie gerade verweilen, umgesetzt werden. Die Arbeit des Einen ist dabei eine Reaktion auf die Arbeit des Anderen und steht im Zusammenhang, hat aber gleichzeitig einen anderen Ausgangspunkt. Auf ihrem Blog kann man die Kunst-Kommunikation verfolgen, die in unregelmäßigen Abständen weitergeführt wird.

Vielleicht ein Beispiel wie Kommunikationsbeiträge des Einen vom Anderen als anschlussfähig behandelt und gleichzeitig nicht bewertet werden.

VIBES zu Ressourcen

Thomas Dambo ist ein dänischer Künster, der aus gefundenen, alten, weggeworfenen Dingen Skulpturen baut. Er gibt damit unbeliebten Seiten seiner Stadt einen neuen Sinn. Sehr bekannt sind seine riesigen Skulpturen aus Holzresten. Wie eine entsteht, zeigt das unten stehende Video.

Vielleicht müssen es nicht immer die auf den ersten Blick schönen, unkomplizierten, beliebten Ressourcen sein, die sich als nützlich erweisen. Vielleicht kann sich manchmal auch das, was man loswerden will als schön und sinnvoll in seiner Gestaltung entpuppen?

VIBES zu Differenzen

Jo Roy tanzt im unten stehenden Video das Statement des britischen Schaupielers Stephen Fry gegen das Tanzen und bringt Inhalt und körperlichen Ausdruck somit in eine Differenz.
Die Zeitschrift Familiendynamik hat im Jahr 2014 ein Heft zu Ambivalenzen herausgebracht, das ich nach dem Ansehen dieses Videos noch einmal heraus gekramt habe. Ein Zitat daraus, das vielleicht eine Perspektive zum Betrachten des Videos anbieten kann:

„Analytisch wichtig ist, dass die Wahrnehmung und Thematisierung von Differenz ein Denken oder Fühlen impliziert, das seinerseits ein vergleichendes Hin und Her zwischen den beiden Seiten impliziert. Der Umgang mit Differenzen betrifft nicht nur das Unterscheiden auf einer bestimmten Ebene des Betrachtens, sondern auch jenes zwischen Ebenen, beispielsweise des Verhaltens und des Denkens oder des Bewertens.“

(K. Lüscher/ H.R. Fischer, 2014: „Ambivalenzen bedenken und nutzen“. In: Familiendynamik, Jahrgang 39, Heft 2, S.86; Hervorhebungen durch die Autoren)