VIBES zur (eigenen) Vielfältigkeit

FridaKahlo

Die GIF- Animation über die mexikanische Malerin Frida Kahlo zeigt, über welche Vielfältigkeit man verfügen kann, aus wie vielen „Auflagen“ von sich man wählen darf, welchen (Selbst-) Aspekt man gerade in den Fokus nehmen mag. Ausgehend von einer Fotographie werden wechselnde Gemäldeausschnitte ihrer Selbstbildnisse eingeblendet.  Die Animation zeigt ihr Erleben und den Umgang mit ihrem Leiden unter schweren Krankheiten ebenso wie ihren Stolz auf die indigenen Wurzeln und ihre Weiblichkeit, ihre Schönheit, ihre Nachdenklichkeit – und nicht zuletzt natürlich ihre große Begabung zu malen.

(GIF-Animation über giphy.com)

VIBES zur Anschlussfähigkeit

paintback

Wenn Sie hier regelmäßiger vorbeischauen, haben Sie vielleicht schon bemerkt, dass systemVIBES eine Freundin des kreativen Protests ist. Neben den vor einiger Zeit vorgestellten Aktionen von Rechts gegen Rechts und Bildkorrektur, möchte ich heute auf PaintBack aufmerksam machen. PaintBack stöbert Hakenkreuze an Berliner Wänden auf, um sie dann zu hübschen Bildern umzugestalten. Initiator der Aktion ist Ibo Omari, Inhaber des Graffitiladens Legacy BLN. systemVIBES versucht in diesem Beitrag die Aktion mal mit ein bisschen Systemtheorie im Hintergrund anzuschauen. Ein Versuch:
Ausgangspunkt wäre das Entdecken und Verstehen der Mitteilung ‚Hakenkreuz‘. Verstehen, dass das Hakenkreuz eine Selektion aus Informationen und eine Auswahl einer Mitteilung ist. Das, was dadurch mitgeteilt wird, schließt aus, dass anderes mitgeteilt wird. Das ist bei jeder Mitteilung so. Der Protest, besteht nun vermutlich darin, dass PaintBack den Fokus auf die Informationen richtet, die das Hakenkreuz als Mitteilung nicht übermittelt hat – nämlich z.B. ein Eulenbauch zu sein. Die Mitteilung eines Hakenkreuzes ist eben so oder ganz anders möglich. Das wäre dann vielleicht beschrieben mit „kontingentem Hakenkreuz“…oder so…

(Foto: Legacy BLN)

VIBES zur Kunstkommunikation

schaufenster

Gestern wurde ich aufmerksam gemacht auf einen kommenden Kinofilm, der das Entfernen und Verkaufen von Graffiti- Arbeiten des Street Art Künstlers Banksy thematisiert. Banksy ist der vermutlich bekannteste Graffiti- Künstler, der immer wieder, an den verschiedensten Orten der Welt durch seine provokanten und kritischen Bilder auffällt. Seine Arbeiten, die eigentlich für den öffentlichen Raum gedacht sind, werden inzwischen entfernt (meist inklusive Hintergrund) und höchstbietend verkauft – er selbst verdient an anderer Stelle vermutlich auch ganz gut, aber von den Verkäufen dieser Art sieht er keinen Cent. Banksy ist nicht der einzige Street Art Künstler, dem es so ergeht. Aber das nur zum Hintergrund. Was bedeutet es aber, wenn Kunstwerke (als Kunstkommunikation) entfernt und in einen neuen Zusammenhang gestellt werden? Wenn ich mir ein Altarbild aus einer Kirche mitnehme und es in meinen Flur hänge, wird dieses Bild dann zu einem anderen? Vielleicht, weil ich als Beobachter des Kunstwerkes, das seinerseits eine Externalisierung von Beobachtbarem oder von Nichtbeobachtbarem ist (in einem Kirchenbild eher letzteres wahrscheinlich), in meinem Flur-Kontext anders beobachte (und damit andere Unterscheidungen treffe) als wenn es in der Kirche beobachtet würde? Wenn ich Graffiti von der Straße entferne und in ein Museum hänge oder in mein privates Wohnzimmer, wie wird es dann beobachtet und in welcher Weise besteht dann eine Beziehung des Kunstwerkes zur Umwelt? Wird das Kunstwerk ein anderes, wenn sich die Voraussetzungen in seiner Umwelt ändern, mit der es strukturell gekoppelt ist? Wird es dann gar sinnhaft oder sinnlos?

(Foto: Hannah Eller; Schaufenster in Nieheim)

VIBES zu Gleichgewicht, Belastung und Zentren

Es ist schon eine Weile her, dass ich das Zentrum Paul Klee in Bern für mich entdeckt habe. Man findet dort Manuskripte und Notizen aus der Zeit Klees am Bauhaus Weimar und Dessau (1921-1931), wo er Seminare über bildnerische Formlehre gehalten hat. Zugegeben, es bedarf vielleicht ein besonderes Interesse an Paul Klee, um sich durch die eingescannten Originalnotizen zu wühlen. Da ist es manchmal ratsam den kleinen Freak in sich zu tätscheln.

Ich habe Dreierlei gefunden, die ich hier auf systemVIBES gern vorstellen möchte. Vielleicht kann es eine Anregung sein über die Erschaffung und den Umgang mit Gleichgewichten, Belastungen und Zentren nachzudenken – neben bereits bekannten Ideen und Konzepten aus dem systemischen „Textfeld“.

Linien und Gleichgewicht

Unterscheidungen zu treffen, bedeutet Grenzen zu ziehen. Paul Klee hat in einer seiner Notizen die Fähigkeit von Linien thematisiert. Wann schafft es eine Grenze ein Gleichgewicht herzustellen und wann ist sie allein nicht in der Lage? Wann ist vielleicht noch eine weitere Grenzziehung, durch eine weitere Unterscheidung notwendig, um Gleichheit zu erreichen?

Belastung einer Formseite

Eine weitere Notiz Klees beschäftigt sich mit der Belastung einer Form. Er zeigt darin auf, wie eine einseitige Belastung die Wahrnehmung auf sich zieht. Dadurch, dass eine Seite durch kräftigere Farbgebung belastet wird, erscheint die zarte Seite fast unscheinbar und man muss sich daran erinnern sie mit zu beachten, damit die ganze Form sichtbar wird.

Zentren

Die dritte Notiz zeigt, wie ich finde, auf simple und eindrucksvolle Weise, dass Zentrum nicht gleich Zentrum ist. Das klingt zunächst paradox, aber Systemiker haben ja ein gutes Verhältnis zu Paradoxien… Um ein Zentrum zu konstruieren, kommt es auf die Ausgangssituation an. Paul Klee zeigt an Beispielen wie durch die gleichmäßige Halbierung der Winkel in einer Form ein anderes Zentrum entsteht als bei der Halbierung der Linien. Beide Male wird die gleiche Regel der Halbierung angewandt, aber auf unterschiedliche Ausgangssituationen.

Ich finde die Notizensammlung Paul Klees ist ein Eldorado an visuellen Zugängen zu Konstruktionen von Wirklichkeit – und nebenbei lernt man auch noch etwas über Formgestaltung in der Kunst.

Alle hier gezeigten Beispiele sind von mir, damit sie besser zu erkennen sind, vereinfacht und sehr nachlässig nachgezeichnet (Paul Klee hätte keine Freude gehabt an meinen ungeraden Linien und die Pi-mal-Daumen-Winkel). Die Originale und Paul Klees Notizen zu den Skizzen finden Sie auf der Seite des Zentrum Paul Klee Bern.

Gast-VIBES zum Puzzle des Lebens

Es ist schon eine Weile her seit den letzten Gast-VIBES. Umso mehr freue ich mich, dass gestern eine Mail eintrudelte. Ursula Haupt stellte mir darin das Puzzle des Lebens von Martin von Barabü vor. Ein – im wahrsten Sinne des Wortes – zauberhafter und bereichernder Vorschlag für systemVIBES. Herzlichen Dank noch einmal an dieser Stelle, dass dadurch nun auch die Kunst der Zauberei einen Platz auf systemVIBES gefunden hat!

Ich wünsche vergnügliches Staunen:

VIBES zu Neuem

Pollock
Regie: Henry Dunbar
Erscheinungsjahr: 2014, England
Länge: 3 Min.

Bei folgender Inspirationsgeschichte des expressionistischen Malers Jackson Pollock, der durch seine Form des Action Paintings bekannt wurde, kann man schon mal ins Schmunzeln geraten. Wie kommt Neues in die Welt? Das betrifft vielleicht nicht nur Veränderungsanliegen in Beratungssituationen oder wissenschaftliche Fragen, sondern auch die Kunst. Kann Neues neu bleiben oder wird es mit der Zeit gewöhnlich? Wie kann eine neue Form zu überraschenden Inhalten anregen?

 

VIBES zur Erhaltung von Komplexität

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Screenshot des Online-Projektes zum „Garten der Lüste“ von Hieronymus Bosch

Vor 500 Jahren verstarb der niederländische Maler Hieronymus Bosch. Wie ich aus den Medien erfahren habe, weiß man nicht so richtig viel über ihn und auch seine Bilder geben noch immer viele Rätsel auf. Er hatte anscheinend ein Talent dafür sowohl seine eigene Komplexität als auch die seiner Kunst sorgfältig zu bewahren. Eines seiner Gemälde, der Garten der Lüste ist nun in einem interaktiven Online- Projekt im kleinsten Detail zu betrachten. Mit einem Klick auf die kleinen Infofelder wird dort versucht Komplexität durch Kontexteinbettung, Beschreibung oder zeitliche Einordnung zu reduzieren und somit die fabelhaften Wesen und skurrilen Szenen für den Betrachter anschlussfähig zu machen. – Was nicht immer gelingen kann, denn manches verliert einfach nicht an Unverständnis und damit auch nicht seine Faszination. Ein Projekt, das offensichtlich Spaß hat an Komplexität und am Nicht-Verstehen.
Auch einen guten, alten Bekannten kann man dort entdecken: den Beobachter. Viel Spaß beim Suchen und Finden! (kleiner Tipp: er sitzt in der Hölle. – Was uns der Künstler damit wohl sagen wollte…?)

 

VIBES zur Rahmung in Ausmalbildern

Warum schreibe ich heute über Ausmalbilder? Ist das nicht was für Kinder? Trivial? Vielleicht nicht. Denn vielleicht scheint das Schreiben über Ausmalbilder ein guter Anlass zu sein, um über Rahmungen nachzudenken – ohne auch nur im Ansatz „systemisch gebildet“ sein zu müssen.
Vielleicht stimmen Sie mir in folgender Aussage zu: In einem Ausmalbild macht die Farbe grün Sinn in einer Kontur von Äpfeln, blau könnte im Rahmen von Pflaumen eine sinnvolle Gestaltung sein. Die Farbe bekommt hier eine Bedeutung in ihrer Rahmung. Ändert man nun nachträglich die Rahmung und aus einer Apfelkontur wird eine Pflaumenkontur, ändert sich die Bedeutung des ursprünglichen Grüns und damit vielleicht auch die Geschichte: plötzlich können wir eine grüne, unreife Pflaume haben! Eine pinke Pflaume bekommt vielleicht schnell das Etikett „falsch“ – ändert man die Kontur und malt einen Haken dran, wundert sich niemand mehr über den pinken Ohrring. Wenn sich eine Rahmung verändert, entstehen Möglichkeiten für neue Sinngebungen und neue Erzählungen von Geschichten ohne die komplette Farbgebung ändern zu müssen. Aber Ausmalbilder sind ja bloß was für Kinder… oder?

coloring-book-the Huntigton

GIF- Animation von der Huntigton Library im Rahmen des Projektes „Color our Collections“

VIBES zum Konstruieren und Diktieren von Realität

Manchmal offensichtlich, manchmal versteckt, kann man die UrbanArt Adbusting in den Städten entdecken. (Adbusting = advertisement/Werbung und to bust/zerschlagen; eine Verfremdung von Außenwerbung im öffentlichen Raum).
Werbung konstruiert mittels Plakaten, Spots und Slogans bestimmte Realitäten. Adbusting ist eine kreative Form der Kritik durch De- und Neukonstruktion dieser Wirklichkeit. Dabei stellt sich vielleicht die Frage ein, wann mit Werbung nicht mehr „nur“ konstruiert, sondern diktiert wird und von wem oder was diese Unterscheidung abhängt.
Im folgenden Clip ersetzt der Berliner Künstler Vermibus während der Fashion Weeks 2015 in verschiedenen Städten Modeplakate, die bestimmte Frauen- und Schönheitsbilder diktieren (?), durch Dekonstruktion der vorgegebenen Ästhetik.

VIBES zum Umgang mit Ängsten

tumblr_o0fncrLREZ1v2jc76o2_r1_1280Kann Wissen gegen Ängste antreten? Wann ändern Menschen ihre Einstellung? Vielleicht, wenn es Spaß macht und sinnlich ist.
Bekannte deutsche Zeichner haben sich zum Projekt BILDKORREKTUR zusammengetan. Sie illustrieren die populärsten Sorgen, Ängste, Vorurteile und Bedenken gegen die Flüchtlingsaufnahme und stellen ihnen eine Zeichnung mit den aktuellen Zahlen und Fakten gegenüber. Auf der Webseite heißt es:

Viele Ängste im Zusammenhang mit Flüchtlingen sind faktisch unbegründet, aber nur wenige wissen das.
Zahlen können helfen Vorurteile und diffuse Ängste abzubauen.
Aber Zahlen haben einen klaren Nachteil: Sie sind langweilig.
In der Welt der sozialen Medien haben sie damit schlechte Karten.
Hier kommen wir ins Spiel, denn wir arbeiten mit der Macht der Bilder.
Als die bunte Seite der Macht haben wir uns der Zahlen und Fakten angenommen und sie in eine bunte, unterhaltsame und eingängige Form gebracht.
Wir möchten als Zeichner Stellung beziehen – nicht populistisch, sondern konstruktiv.

Die Zeichnungen finden Sie auf der Seite von BILDKORREKTUR.

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