VIBES zu kleinen Schritten

Falls Sie etwas verspannt sind in der Nackengegend, können die Herrschaften von den Fantastischen Vier sicher weiterhelfen. Seit 25 Jahren sind die Männer nun im Kopf-im Beat-mitnicken-Business. Hier ein relativ aktuelles Liedchen, bei dem Sie gern auf 2 und 4 mitklatschen, mitrappen oder einfach nur lässig den Kopf nicken und den feinen Text genießen könnten.

Text:
Glaubst du, glaubst du an dich, an deinen nächsten Schritt
Auch wenn nichts, nichts ist wie es scheint
Hey, behalt‘ den Blick auf dein Glück, alles verändert sich
Eines Tages ergibt alles einen Sinn

Haben sie nicht damals schon gemeint du seist dafür zu klein
Und deine Art, dein ganzer Style passt hier nicht richtig rein
Auch bei den Mädels hattest du jedes Mal wenig Glück
Sprachst du mal eine an kam eh nichts zurück
Oder beim Sport, du warst immer der Letzte bei der Mannschaftswahl
Alle in Adidas am Start und meistens in Sandalen
Die coolen Jungs wollen Yamaha oder KTM
Du hattest nur dein altes Fahrrad oder bist getrampt
Und die Musik die du gehört hast, die fand niemand cool
Du warst der Freak, der nie dazu gehört hat in der Schule
Du warst der Typ den man mal gerne übersieht
Nicht unsympathisch, nur nicht unbedingt beliebt

Glaubst du, glaubst du an dich, an deinen nächsten Schritt
Auch wenn nichts, nichts ist wie es scheint
Hey, behalt‘ den Blick auf dein Glück, alles verändert sich
Eines Tages ergibt alles einen Sinn

Egal was sie sagen, egal wie oft sie’s taten
Du hattest deinen eigenen Plan und hast ihn nie verraten
Die anderen gingen aus um Abends Spaß zu haben
Warst du mal nicht zuhaus‘ fand man dich im Plattenladen
Denn wenn man etwas liebt dann nimmt man viel in Kauf
Hast es gefühlt ‚Das mit dem Liederschreiben kann ich auch!‘
Zuhause in der Bude, die ersten Gehversuche
Das erste Demotape, die erste Show mit zehn Besuchern
Der erste Plattendeal, dann irgendwann der erste Hit
Verfehltes Klassenziel heißt nicht, dass man dich nicht mehr sieht
Man trifft sich immernoch mit einem kleinen Unterschied
Du gehst nicht zum Klassentreffen, sie kommen zum Meet and Greet

Glaubst du, glaubst du an dich, an deinen nächsten Schritt
Auch wenn nichts, nichts ist wie es scheint
Hey, behalt‘ den Blick auf dein Glück, alles verändert sich
Eines Tages ergibt alles einen Sinn

Siehst du dich als Verlierer oder als zweiter Sieger
Letzter Underdog oder erster Überflieger
Bist du nur Pausenclown oder ist das hier Satire
Ist nicht der größte Zauberer auch nur ein Trickbetrüber
Nie dazu gehört oder nur nicht viel geredet
Bleibst du Supernerd oder wirst du Koryphäe
Warst du bescheiden oder einfach bescheuert
Auch du wirst automatisch älter oder manuell neuer (oder Manuel Neuer, Anm. HE)

Glaubst du, glaubst du an dich, an deinen nächsten Schritt
Auch wenn nichts, nichts ist wie es scheint
Hey, behalt‘ den Blick auf dein Glück, alles verändert sich
Eines Tages ergibt alles einen Sinn

VIBES zur Bedeutung

Musik als Waffe
Dokumentarfilm
Regie: Tristan Chytroschek
Erscheinungsjahr: 2011

Musik ist vermutlich für die meisten Menschen etwas sehr Schönes. Musik als Waffe zeigt die militärische und geheimdienstliche Verwendung von Musik in den USA und wie sich in diesen Kontexten ihre Bedeutung verändert.
Der Film begleitet den Komponisten Christopher Cerf, der für die amerikanische Sesamstraße Kinderlieder geschrieben und vertont hat – und die in Folge zu Verhör- und Folterzwecken genutzt wurden. Cerf macht sich, irritiert von der völlig anderen Bedeutung, die seine Lieder in solchen Kontexten bekamen, auf die Suche nach der unterschiedlichen Wirkung und Bedeutung von Musik.
Der Dokumentarfilm erhielt 2012 den International Emmy.

Ein Film, der vielleicht Fragen aufwerfen kann zur Konstruktion von Bedeutungen und ihren Verantwortlichen.

Hier die Links zur Dokumentation auf YouTube:

Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4

Gast-VIBES

Yin und Yang
Künstler: Rainald Grebe, 2015
Zugabe zum Konzert „Heimspiel im Paradies“ 2015

Ich freue mich sehr über die Gast-VIBES von Hartwig Hansen zur Frage, wo und wie Zusammenhänge gesehen oder festgelegt werden. Ein interessantes und humorvolles Fundstück zum Anregen und Nachdenken über Zusammenhänge – auch (oder gerade?) in systemischen Kontexten.
Zu Rainald Grebe muss ich, denke ich, nichts weiter erklären…

VIBES zur Unterscheidung Musik und Nicht-Musik

4’33“
Komponist: John Cage

Wann ist Musik Musik? Wo lässt sich eine Grenze ziehen zwischen Musik und Sound, zwischen Musik und Nicht-Musik? In 4’33“ ist die aktuelle Zeit die Dimension, die vorherrscht. Das Stück fokussiert damit auf den Prozess vergehender Zeit mit seinen Veränderungen durch Sound und Stille. Cage selbst sagte zur Unterscheidung Musik und Sound: „ Sound does not critique, interpret, or elaborate – it does not ‚talk‘. It simply is. But the distinction between music and not-music soon callapses.“
Vermutlich ist 4’33“ auch heute noch zunächst ein irritierendes Stück. Gleichzeitig stellt es die Frage nach einer Unterscheidung, einer Abgrenzung und nach der Bedeutung von Beschreibungen.

Unten stehend eine Version von 4’33“ und ein Video, in dem John Cage sich zu Stille äußert.

VIBES zur Veränderung zwischen Ressourcenorientierung und Potenzialentwicklung

Veränderung kann vermutlich auf unterschiedliche Arten stattfinden. Wenn sich etwas verändert, hat es sich vielleicht neu entwickelt. Es könnte eventuell auch etwas Altes, Bekanntes sein, das in einem aktuellen Kontext nun eine andere Bedeutung erhält und dadurch zur Veränderung führt. Ich denke da zum Beispiel an die Ressourcenorientierung, bei der bereits Vorhandenes sehr nützlich für Aktuelles sein kann.
Ein musikalisches Beispiel für Veränderung durch „alte Ressourcen“ sind die folgenden Versionen des Klassikers Blue Monday. Das Original ist von New Order aus den 80ern (Video 1), im zweiten Video spielt das Orkestra Obsolete das Stück auf Instrumenten und mit der Technik der 30er Jahre. Altes erhält hier neue Bedeutung, indem es in einem veränderten Kontext auftaucht.

Wann ist die Orientierung an Ressourcen aber nicht mehr hilfreich? Wann wird es nützlich sich am bisher ungenutzten Potenzial zu orientieren, neu zu entdecken und zu lernen (um sich hier am Ende des Beitrags an die Worte des Neurobiologen Gerald Hüther anzulehnen)?

VIBES zu Ausnahmen

Antonio Stradivari ist weltberühmt für seine Violinen geworden. Eher selten hat er auch Gitarren gebaut; im Verhältnis nur sehr wenige. Zurzeit existieren fünf Stradivari- Gitarren auf der Welt, nur eine davon, die Sabionari von 1679, ist überhaupt bespielbar. – Eine Ausnahme. Und wenn man sich diese sehr alte, zart verzierte Gitarre mit ihren zehn Saiten ansieht und zuhört, kann man auf die Idee kommen, dass Ausnahmen etwas sehr Schönes sind.
Ausnahmen haben vielleicht ihren ganz eigenen Charme: sie können überraschen ohne verstörend sein zu müssen, manchmal ist man stolz auf sie und manchmal sind sie einem unangenehm, sie können zur Regel erhoben werden oder als Seltenheit gehegt und gepflegt werden.
Wenn Sie mehr über die musikalische Ausnahme, die Sabionari, erfahren möchten: die hat eine eigene Webseite. Oder Sie interessieren sich nun für Ihre eigenen Ausnahmen…

systemVIBES wünscht schöne Weihnachten und einen guten Jahreswechsel!

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Rosen im Dezember
Das vergangene Jahr bekommt vielleicht auch einen Platz im neuen Jahr – in einem anderen Kontext: als Vergangenheit, aus der man lernt, sich sorgt, sich erfreut oder als Hintergrund für die Gegenwart, auf dem man andere Bedeutungen gibt.
Hannes Wader singt im unten stehenden Lied davon wie schmerzlich vergehende Zeit sein kann, wie sehr sich Menschen nach Zeit ohne Leid sehnen und davon, dass Altes auch zu unerwartet Neuem und Schönen werden kann – wie Rosen im Dezember.

Wenn Ihnen danach ist, genießen Sie die Weihnachtszeit und feiern Sie sich fröhlich, entspannt und mit neuen Energien ins kommende Jahr hinein! systemVIBES wünscht Ihnen von Herzen eine gute Zeit!
Ich bedanke mich sehr für Ihre Begleitung der VIBES 2015!
systemVIBES macht nun ein bisschen frei und ist im Januar wieder zurück.

Herzlichst,
Ihre Hannah Eller
systemVIBES Herausgeberin

(Foto von Hannah Eller, allerdings sind das Rosen im Oktober gewesen)

VIBES zum Unterschied

Take Five
(Original von Paul Desmond für das Album Time Out, 1959)
Interpret: Al Jarreau
Album: Glow, 1976

Mit „Sometimes the words and music get a little bit mixed together…“ leitet Al Jarreau seine Version des Jazz- Evergreens Take Five ein. Und interpretiert damit noch einen anderen Evergreen, nämlich Batesons „information is a difference, that makes a difference“. Ich habe mich gefragt, als ich Jarreau gehört habe:
Wie groß darf ein Unterschied eigentlich sein, damit er noch ein Unterschied ist – und nicht was völlig anderes? Oder anders: Wann macht eine (musikalische) Interpretation „nur“ einen Unterschied zum Original – und wann ist es ein neues Stück? Wenn man das in Bereichen von Therapie und Beratung denkt: Wann sind Gedanken und Verhalten ‚anderes Verhalten‘, wann ‚krank‘, wann ‚gestört‘, wann ‚Abweichung‘? Wie groß müssen da Unterschiede sein – und mit was vergleicht man, um einen Unterschied festzustellen? – Oh je… und das alles nur wegen Al Jarreau!